SISSILIA hat sich in den letzten zwei Jahren intensiv mit dem ESC-Umfeld beschäftigt.
Lela und Pietro Bianco haben Songs geschrieben, Konzepte entwickelt und Einreichungen für die Schweiz, Österreich, Italien und San Marino vorbereitet.
Dabei ging es nicht nur darum, irgendwo mitzumachen.
Es ging darum, zu verstehen, wie diese Systeme funktionieren – und welche Chancen unabhängige Künstlerinnen und Künstler darin wirklich haben.
San Marino: Hoffnung, Bühne und Realität
Una Voce per San Marino war für SISSILIA 2025 die erste direkte Erfahrung in diesem Umfeld.
Tausende Künstlerinnen und Künstler bewerben sich, investieren Zeit, Geld, Hoffnung und Herzblut. Für viele ist es eine erste internationale Erfahrung, eine Chance, einmal sichtbar zu werden und vielleicht einen Schritt Richtung ESC zu machen.
Doch wenn man das Konzept genauer beobachtet, entsteht schnell der Eindruck:
Für Talente ist es oft Hoffnung. Für das System ist es auch ein kommerzielles Modell.
Am Ende stehen junge oder unbekanntere Acts häufig im Wettbewerb mit gesetzten Namen, bekannten Künstlern oder extern geholten Stars. 2025 gewann Gabry Ponte, der direkt in die finale Phase eingebaut wurde. Für viele Talente wirkte das wie ein klares Signal: Man darf mitmachen, aber gewinnen sollen am Ende oft andere.
Auch 2026 zeigt sich aus Sicht von SISSILIA ein ähnliches Bild. Bei Boy George wirkt der Schluss des Songs auf uns so, als seien noch rund 20 Sekunden angehängt worden, die nicht wirklich organisch in den Song passen. Eher improvisiert als konsequent komponiert.
Fast so, als würde man panisch versuchen, endlich einmal ganz vorne beim ESC mitzuspielen – statt mutig und konsequent echten neuen Stimmen eine faire Bühne zu geben.
Und das Traurige daran:
Trotz grosser Namen reicht es am Ende oft trotzdem nicht.
Gabry Ponte scheiterte im ESC-Halbfinale. Auch Boy George kam nicht weiter. Schade – aber auch ein Zeichen, dass bekannte Namen allein keine Garantie sind.
Österreich: Nah dran – und dann doch nicht dabei
Auch Österreich war für SISSILIA ein wichtiger Erfahrungsweg.
Es gab längeren Kontakt mit Produzenten, Gespräche, Hoffnung und das Gefühl, dass eine echte Möglichkeit entstehen könnte. SISSILIA war nahe dran, kurz vor dem TV-Endspiel „Österreich sucht den Song für Vienna“ noch im Rennen zu sein.
Dann kam doch das Aus.
Auffällig aus Sicht von SISSILIA:
Am Ende waren in der finalen TV-Show nur österreichische Teilnehmer dabei.
Das muss nicht automatisch unfair sein. Aber es zeigt klar: Auch hier spielen nationale, strategische und redaktionelle Faktoren eine grosse Rolle. Es geht nicht nur um den Song. Es geht auch um Herkunft, Struktur, Netzwerk, Sendekonzept und politische Passung.
Schweiz: SUISA, Songwriting-Camps und begrenzte Mitsprache
In der Schweiz hat SISSILIA ebenfalls Erfahrungen gesammelt.
Nach unserer Wahrnehmung läuft der Auswahlprozess stark über etablierte Strukturen, Songwriting-Camps und Rechteverwertung. Es wurden über Jahre hinweg viele Songs eingereicht, daraus gemeinsam Songs entwickelt, produziert und passende Sängerinnen oder Sänger bestimmt.
Externe Eingaben wurden zwar angenommen. Doch unser Eindruck war: Wirkliche Mitsprache oder Gewicht hatten unabhängige externe Beiträge am Ende kaum.
Gewonnen hat immer wieder das Umfeld, das bereits stark in diese Strukturen eingebunden war. Nemo war dabei sicher der Höhepunkt – gesanglich ein Talent, menschlich mit einer besonderen Ausstrahlung, aber gleichzeitig auch ein Beispiel dafür, wie stark Konzept, Inszenierung und System zusammenspielen.
SISSILIA wurde angeboten, an solchen Prozessen mitzuwirken.
Doch für uns ist Musik etwas Persönliches. Personenbezogen. Eine Stimme, eine Geschichte, eine Identität.
SISSILIA ist kein austauschbares Songwriting-Projekt.
SISSILIA sind Lela und Pietro Bianco.
Deutschland: Die Suche nach dem nächsten grossen Moment
Auch Deutschland kämpft seit Jahren damit, wieder einen wirklich starken ESC-Moment oder Hit zu landen.
Dabei ist auch dort zu sehen: Talent und gute Musik allein reichen offenbar nicht. Es spielen viele weitere Faktoren hinein – TV-Dramaturgie, Auswahlverfahren, öffentliche Wahrnehmung, Strategie, Name, Netzwerk und Zeitgeist.
Der ESC ist längst nicht mehr nur ein Songwettbewerb.
Er ist ein System aus Musik, Politik, Medien, Markenbildung und Inszenierung.
Fazit von SISSILIA
Nach zwei Jahren intensiver Beobachtung bleibt für uns ein klares Bild:
Viele Auswahlverfahren sprechen von neuen Talenten.
Aber echte neue Stimmen bekommen selten wirklich den Raum, den sie verdienen.
San Marino verkauft Hoffnung.
Österreich bleibt am Ende sehr national.
Die Schweiz arbeitet stark über bestehende Strukturen.
Deutschland sucht seit Jahren nach der richtigen Formel.
SISSILIA hat in dieser Zeit viel gelernt.
Wir haben gesehen, wie das System funktioniert.
Wir haben auch gesehen, wo Türen offen wirken, aber am Ende doch nur halb offen sind.
Trotzdem bleibt unser Weg klar.
SISSILIA wird für 2027 der Schweiz wieder einen Vorschlag machen.
Denn SRF/SRG hat uns schriftlich begründet geantwortet und ausdrücklich darum gebeten, wieder einen Song einzureichen.
Vielleicht ist genau das ein kleines Zeichen.
Vielleicht beginnt dort eine erste Trendwende.
SISSILIA bleibt dran – nicht aus Illusion, sondern aus Überzeugung.
Denn Musik ist für uns keine Strategie auf Papier.
Musik ist Stimme, Persönlichkeit, Herkunft, Erfahrung und Wahrheit.
Lela & Pietro
SISSILIA




Leave a Reply